20 02 2019, 10:24

Alles Konsum, oder was?

Sonntag, 16. April 2017, 16:35 Uhr

Vielleicht liegt es am trüben und nassen Wetter, dass ich heute eher nachdenklich gestimmt bin. Vielleicht liegt es auch daran, dass mich das Lesen der täglichen „News“ immer mehr ankotzt. Heute sprang mich ein Bericht an, der mich fast dazu brachte, meine Tastatur mit dem Morgenkaffee vollzukotzen. Da lese ich doch in der Onlineausgabe des lokalen Käseblattes:

Einer der umsatzstärksten Tage des Jahres

Ostern wird zum Fest der Geschenke: Durchschnittlich 45 Euro pro Kind

Kassel. Ein Nest mit selbst gefärbten Eiern und Schokohasen ist meist nicht mehr genug: Für den Einzelhandel hat sich Ostern zu einem der wichtigsten Umsatzbringer entwickelt.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich früher bei Oma im Garten Eier gesucht habe. Viele kleine Schokoeier, in verschiedene Nestchen aus grüngefärbter Holzwolle verteilt, dazu ein Schokoosterhase und hartgekochte und gefärbte Eier. Allein die Suche in dem großen Garten war ein Riesenspaß und ich war selig, wenn ich meine „Beute“ dann komplett aufgestöbert hatte. Nougateier waren heissbegehrt, die mit „Knickebein“ als Füllung eher weniger. Genascht wurden sie aber trotzdem alle.

Ostern war damals Ferien bei Oma, Besinnung, Fisch am Freitag, Gemeinsames Festmahl am Sonntag und Montag  und der obligatorische Familienspaziergang. Mir tat nur immer der arme Jesus leid, dem man so übel mitgespielt hatte. Auferstehung hin oder her. Allein die Verfilmungen der Passionsgeschichte, die zum österlichen Fensehprogramm gehörten, machten mich immer wieder schaudern.

Auch wenn ich schon seit einer  gefühlten Ewigkeit einen anderen Glauben als den Christlichen habe, so respektiere ich doch die Gebräuche und Feiertage anderer Religionen. Und ich frage mich, ob es sich für Christen nicht noch heftiger anfühlt als für mich, wenn sie diese Schlagzeile lesen. Muss denn wirklich jedes Fest kommerzialisiert und bis zum Erbrechen ausgeschlachtet werden? Was kommt als Nächstes, wenn man mit diesen Feiertagen endlich „fertig“ ist? Wird dann auf andere Religionen ausgewichen? Halloween ist ja bereits ein Beispiel dafür, dass auch vor „heidnischen“ Bräuchen nicht Halt gemacht wird, solange sie sich zum Geld scheffeln eignen. Eines ist auf jeden Fall klar: „Ostergeschenke“ gab es in meiner Familie nie und es wird sie auch nie geben. Ganz egal, welcher Religion man angehört.

Da wandere ich nun durch die Weiten des Internets, um etwas zu finden, was in diesen Tagen wirklich noch Sinn macht. Fernab von Fressorgien und Kommerz. Und für mich habe ich etwas gefunden, was mich beim Ansehen tief berührt hat. Diese Geschichte ist religionsübergreifend und zeigt so deutlich, wie Leben und Tod zusammengehören.

Und so wünsche ich allen noch schöne Ostertage, gesegnetes Ostara oder einfach ein tolles Restwochenende. Möge jeder daraus machen, was ihm wichtig ist. Vielleicht denkt der eine oder andere ja mal nach, was den totalen Kommerz angeht.

 

The Life of Death from Marsha Onderstijn on Vimeo.

Hinausgreifen

Dienstag, 31. Januar 2017, 0:26 Uhr

Manchmal schaue ich doch noch Fernsehen. Nicht mehr viel, da mich die zum Teil wirklich manipulative und selektive Berichterstattung der Sender regelrecht ankotzt. Die richtig guten, informativen Beiträge sieht man nachts zu „unmöglicher“ Uhrzeit, zumeist auf den dritten Programmen. Gut versteckt und kaum beachtet. Und ab und zu findet man sie dann doch, spannende Reportagen, Portraits von ungewöhnlichen Menschen, Persönlichkeiten eben, deren Leben so gar nichts mit der hochglanz-verblödungs-schickimicki-alles-ist-so-geil Standardware zu tun hat.

Da sitze ich dann und lausche gebannt, sehe Menschen, die ihr Herz auf der Zunge tragen, die ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Ich sehe Freud und Leid und ja, ich freue mich mit und ich habe Mitleid. Ob es um Palliativmedizin geht oder um Frauen wie die „Chemo Chicas“. Ich schaue auf Ausschnitte von Leben, bin zugegeben oft etwas neidisch, auch wenn es diesen Personen oft hundsmiserabel geht. Bei denen ist alles immer so ordentlich, sauber, intakt, trotz ihrer Probleme. Warum könnte es nicht bei mir auch so sein? Oder wenigstens „etwas so“? Dann schäme ich mich sofort, da ich absolut nichts von diesen Menschen weiß, außer dem Wenigen, was mir die Reportage erzählt. Ich vergesse den Neid auf ein möglicherweise wohlgeordnetes Dasein, der perfekt aufgeräumten Wohnung, befasse mich mit den Protagonisten und ihren Schicksalen. Und diese beneide ich nun nicht mehr, ich bewundere sie. Staune, wie sie ihr Schicksal annehmen, mache ihnen insgeheim Komplimente für ihre Ausstrahlung. Und sage vollkommen ehrlich:“ Boah, was für tolle Menschen.“ Umso mehr leide ich dann mit, wenn ich den Fortgang der Schicksale in der Reportage sehe. Und da kommt der Wunsch auf, der aber für immer unerfüllt bleiben wird: Ich möchte hinausgreifen, möchte diese fremden Personen berühren, oder gar in den Arm nehmen und sagen:“ Hier ist jemand, den du nicht kennst, der aber mit dir leidet, Mitleid hat. Dein Schicksal geht mir nahe.“  Ich möchte hinausgreifen und etwas von meinen Gefühlen abgeben, teilen, verschenken.

Ich sitze da vor dem Fernseher, doch meine Rolle bleibt passiv. Ich kann nichts tun, kann nur schauen, lauschen, unbemerkt, unerkannt, anonym. Ob es „denen auf dem Bildschirm“ überhaupt helfen würde, wenn sie wüssten, dass da wer sitzt und Anteil nimmt? Oder sind sie so mit ihrem eigenen Kampf beschäftigt, dass sie nicht einmal einen Gedanken daran verschwenden können, was die Reportage über sie bei einer Zuschauerin ausgelöst hat? Ich vermute, sie wissen es nicht, es sei denn sie bekämen über den Sender ein „Feedback“. Da könnte ich dann doch, wenn ich wollte, hinausgreifen und mein Mitgefühl kundtun. Einen Moment überlege ich, dann verwerfe ich den Gedanken wieder. Menschen in dieser Situation noch mit meinen Gefühlen belästigen? Vielleicht fühlt sich dann jemand zu einer höflichen Antwort genötigt, ob wohl er weder die Energie noch den Wunsch hat, mir zu antworten?

So bleibt mir nur, meine volle Aufmerksamkeit auf den Beitrag zu richten und mir letztendlich beschämt einzugestehen, wie kleinlich ich doch manchmal bin. Auf jemanden neidisch zu sein, weil sein Leben so geordnet verläuft, ist ziemlich bescheuert, wenn dieser Mensch gegen den Krebs kämpft. Meine Tante ist an Brustkrebs gestorben, da war sie nur einige Jahre älter als ich es jetzt bin. Und nun frage ich mich, ob ich in dieser Situation auch so stark wäre. Ich weiß es nicht, und ich möchte es auch nie herausfinden müssen. Als die Reportage endet sitze ich schniefend da. Dann schalte ich den Fernseher aus. Jede andere Sendung wäre jetzt einfach unpassend und belanglos. Meine Gedanken sind noch eine ganze Weile bei den gezeigten Personen. Und sie begleiten mich auch noch, als ich ins Bett gehe. Ich weiß nicht, wie das Leben dieser Menschen weiter geht. Aber ich habe einige Sachen kapiert:  Meine „Probleme“ sind winzig gegenüber dem, was andere bewältigen müssen. Es besteht kein Grund, auf jemanden neidisch zu sein. Vor allem nicht, wenn man nicht alle Seiten ausgiebig betrachten kann. Wenn mir etwas an mir nicht gefällt, dann sollte ich es selbst ändern, und nicht rumjammern oder darauf warten, daß ein Wunder geschieht. Und letztendlich sollte ich verdammt nochmal dankbar für das sein, was ich habe, anstatt den Hals nach dem zu recken, was ich unbedingt zu brauchen meine.

Manchmal muss es eben eine Fernsehsendung sein, die einen auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

Schon wieder geht ein Jahr zu Ende

Donnerstag, 22. Dezember 2016, 17:33 Uhr

und für mich ist es regelrecht gerast.

Bin ich nicht letzte Woche erst aus den USA zurückgekommen? Da war doch noch September. Habe ich nicht gestern erst das Tannengrün in der Wohnung verteilt? Und überhaupt, der letzte Jahreswechsel war vor gefühlten 6 Monaten. Die Zeit scheint zu rasen, fegt an mir vorbei. Die Stunden verstreichen nicht, sie verfliegen, sausen, flitzen davon. Ich stehe oft ratlos vor dem, was ich mir vorgenommen habe und stelle erschrocken fest, daß die Zeit dafür einfach nicht ausreicht.

Zeit! Was ist das überhaupt mit der Zeit? Zeit haben, Zeit verplempern, Zeit schenken, Zeitmanagement, geliehene Zeit… unsere Welt ist voll von Begriffen, die mit der Zeit zusammenhängen. Dabei ist Zeit so ein flüchtiger Begriff. Wir „modernen“ Menschen haben aus dem einfachen Wechsel von Tag und Nacht etwas gemacht, was penibelst in winzig kleine Einheiten unterteilt wurde. So wie ein kostbares Edelmetall, das nur in kleinsten Dosen gemessen und abgegeben wird. Und je kleiner diese Einheiten sind, je mehr Wichtigkeit jeder Sekunde beigemessen wird, desto schneller scheint die Zeit zu verfliegen. Zeit ist plötzlich nicht mehr für alle gleich vorhanden, Zeit wird zur Kostbarkeit und jetzt auch zur Handelsware. Eine große Supermarktkette hat jetzt sogar Kärtchen für’s Zeit schenken im Angebot. Eine Karte mit Schokoherz und freiem Feld,  in das man die geschenkte Zeit eintragen kann.

So weit ist es also schon gekommen, daß man Zeit in Häppchen verschenkt. Zeit, die man haben sollte. Für sich und für andere. Zeit, die man sich einfach nehmen sollte, ehe die Zeit um ist. Denn egal wie wir die Zeit einteilen, bemessen und bewerten, wir haben nur ein begrenztes Kontingent davon zur Verfügung. Irgendwann ist für jeden von uns die Zeit abgelaufen. Und dann? Ach hätte ich doch… wieso hab ich nicht… könnte ich doch noch mal… Warum nicht jetzt damit anfangen und endlich einmal die Zeit so verteilen, wie man selbst es möchte? Raus aus diesem Hamsterrad von schneller, besser, effizienter. Weg von dem, was uns als ach so erstrebenswert und absolut lebensnotwendig täglich suggeriert wird? “

Aber ich muss doch…“ wird jetzt die Antwort sein. Auch das stimmt. Aber jenseits vom „Müssen“, um die Existenz zu sichern, müssen wir gar nichts. Wir müssen nicht rund um die Uhr erreichbar sein, wir müssen nicht ständig Überstunden machen, wir müssen nicht Jedermanns Liebling sein und allen gefallen… Aber wir sollten unsere Zeit nutzen. Nicht für andere, die mit unserer Zeit Profit machen, sondern für uns selbst und für die, die unsere Zeit so dringend brauchen.

Die Rauhnächte sind eine gute Gelegenheit zum umdenken. Früher fuhr man in dieser Zeit alle Aktivitäten zurück, saß beisammen und ging in sich. Was für ein Gegensatz zur heutigen, völlig durchgedrehten und hektischen Weihnachtszeit. Wie wäre es denn einfach mal damit, die berühmte „fünf gerade sein zu lassen“, durchzuatmen und sich auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist? Was brauche ich denn wirklich? Was muss denn unbedingt wirklich jetzt und sofort erledigt weden? Und was davon ist wirklich wichtig?

Keiner von uns weiß, wieviel Zeit ihm geschenkt wird. Wir sollten sie also weise nutzen.

The walking dead become reality.

Donnerstag, 14. Juli 2016, 19:13 Uhr

Ich habe es immer irgendwie geahnt, gefürchtet: Die Zombies sind unter uns! Sie sehen nicht verwest aus, stinken nicht und beissen auch (noch) nicht. Aber sie bewegen sich seltsam ferngesteuert, nehmen ihre Umgebung nicht wahr und  tauchen plötzlich überall auf.

Es scheint sich um ein Virus zu handeln, das hauptsächlich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene befällt. Hatte man diese Spezies jahrelang kaum in der Öffentlichkeit herumwandern sehen, so erscheinen sie neuerdings schlagartig und zuhauf an allen erdenklichen Orten. Die Blicke starr auf ein glänzendes Täfelchen in ihren Händen gerichtet, die Daumen hektisch zuckend, durchwandern sie ihre Umgebung, ohne von ihr Notiz zu nehmen.

Heute durfte ich staunend erleben, wie ein ganzes Rudel dieser Neo-Zombies einen nicht unerheblichen Verkehrsststau um den Fritzlarer Kreisverkehr verursachte. Alle Infizierten wankten schrittweise über den Zebrastreifen (soweit scheinen die Überlebensinstinkte noch zu funktionieren), blieben mittendrin stehen (offensichtlich schwinden die Instinkte auf halber Strecke) , um dann nach erreichen der Sitzgruppe auf der Kreiselmitte abrupt in eine Art embryonale Kauerstellung zu gehen, während sie weiterhin unentwegt auf die glänzenden, kleinen Tafeln starrten. Erst langsam löste sich der Stau, der inzwischen zurück bis zur nächsten Ampelkreuzung reichte, auf. Offensichtlich waren die beteiligten Autofahrer ebenso irritiert wie ich. Oder sie wollten die Zombies nicht auf sich aufmerksam machen. wie sonst wäre es zu erklären, dass nicht ein einziges Mal eine Hupe ertönte?

Ich war irritiert, sowohl über das seltsame Verhalten als auch über den Stau zu unüblicher Stunde. Hatte ich etwas in den Nachrichten übersehen? War eine neue Seuche ausgebrochen? Von offizieller Seite schien es keinen Seuchenalarm zu geben, bewegte sich die oben genannte Gruppe doch direkt vor dem Fritzlarer Krankenhaus, ohne von medizinischem Personal in Schutzanzügen behelligt zu werden. Also Entwarnung, es ist wohl nicht ansteckend. Oder doch? Hatte ich mich gerade erst beruhigt, flammten die Zweifel und Ängste erneut auf, als ich auf dem Heimweg eine Gruppe Jugendlicher entdeckte, die in exakt der gleichen, der Realität entrückten Art und Weise, über eine Wiese neben der Bundesstraße wankten, die sicher seit Ewigkeiten kein menschliches Wesen mehr betreten hatte.

Beide Orte lagen etliche kilometer auseinander. War das Virus zeitgleich an verschiedenen Stellen ausgebrochen? Verbreitete es sich durch die Luft? Und ich war mit offenen Fenstern unterwegs gewesen! Zu Hause ngekomme, trieb es mich an mein Smartphone. Schnell mal im internet schauen, ob…

Moment mal: Sahen diese Täfelchen in den Händen der Zombies meinem Smartphone nicht verdächtig ähnlich? Und hatte gestern nicht ein Freund etwas von „da gibt es jetzt was, was die Leute zu Zombies macht“ gesagt? Ich wurde schnell fündig: Ausgerechten die Datenkrake mit dem großen „G“ lieferte in Sekunden die gewünschten Informationen. Ein neues „Spiel“ ist im Umlauf. Pokemon Go heisst es wohl. Irgendwie zwingt es die Teilnehmer, mit ihren Smartphones in den Händen stundenlang draussen herumzulaufen, mit der Kamera alles aufzunehmen und dabei virtuell eingebendete Fantasiefiguten einzufangen.  Äh???

Wer bitte ist so gaga, dass er sein Datenvolumen damit verbraucht, dauernd aufgenommene Bilder von Allem und Jedem an unbekannte Ziele zu schicken? Und sich dabei noch via GPS Tracking bei jedem Schritt verfolgen zu lassen? Oh, und natürlich kann man in dieser Seuche in diesem Spiel auch noch Käufe tätigen und ein Schweinegeld ausgeben. Wo landen die Daten? Was wird aufgezeichet und wie verwendet? Was passiert mit Menschen, Gebäuden, Autokennzeichen usw. die aufgenommen werden, ohne dass betreffende Personen oder Eigentümer etwas davon mitbekommen? Ist es wirklich so verdammt einfach, Leute zu stundenlangen Fußmärschen zu bringen und dazu noch ihre gesamten Daten gratis abzugreifen?

Das muss wirklich eine Seuche sein, ein Virus den ein geniales Verbrecherhirn erschaffen hat. Ich glaube, ich bin glücklicherweise immun dagegen. Für mich heisst es jetzt: Augen auf, damit ich keine Neo-Zombies überfahre. Noch scheinen es doch irgendwie Menschen zu sein und man wird belangt, wenn man sie im Straßenverkehr erlegt. Sicher gibt es dafür keine Bonuspunkte, im Gegenteil.

Und für mich heisst es definitiv: Pokemon-No-Go!

 

Wir haben unsere Erde nur geliehen.

Mittwoch, 11. Mai 2016, 14:13 Uhr

Und zwar von unseren Nachkommen. So heisst  es doch oft. Das bedeutet auch, wir sollten umsichtig, rücksichts- und respektvoll mit dem umgehen, was uns geschenkt wurde. Denn es ist ein Geschenk auf Zeit. Ist nicht „Achtsamkeit“ eins dieser Modewörter, das so gerne in den Mund genommen wird?

Vor einiger Zeit war ich mit meinem Mann auf einem sehr gut besuchten Flohmarkt. Wir machten zum Ende des Besuches für eine Pause am Getränkestand halt, und ich genoss ein ausgesprochen leckeres Fischbrötchen und eine Apfelschorle. Das Nahrungsangebot dort ist wirklich verlockend, zumal noch ein Landmarkt angeschlossen ist. Vom Veganer bis zum Steakliebhaber findet jeder etwas, dazu Pizza, Eis, Orientalisches….

Ich stehe da also, betrachte die Besucher während ich schmause. Da kommt die „Familie Helikopter“. Nennen wir sie mal so. 😉 Vater, Mutter , zwei Kinder ca. 5 und 2 Jahre alt. Teure, schicke Kleidung, die Eltern perfekt gestylt. Kinderwagen und Fahrräder der lieben Kleinen eine hochpreisige Marke. Kinder und Eltern haben jeder ein ziemlich großes Eis un der Hand, was auch genüsslich verzehrt wird. Ihr wisst schon, die großen, rautierten Waffeltüten mit mindestens zwei dicken Kugeln drin.

Der Älteste schleckt sein Eis und sieht plötzlich den Getränkestand. „Ich hab Durst!“ schallte es lautstark neben mir. Ich bin erstaunt. Wie kann man Durst haben, wenn man gerade ein grosses Eis verzehrt? „Ich hab Durst!!!“ Diesmal lauter. Das Kind schielt zum Getränkestand und beobachtet dann genau seine Eltern. Kommt es mir nur so vor, oder hat der Kleine einen wirklich berechnenden Gesichtsausdruck? Die Eltern schauen das Kind an. „Ich hab Durst, ich hab Durst, ich hab Duuuuurst!“ Offensichtlich in ausgewachsener Notstand, drohende Dehydrierung und schwerwiegende Folgeschäden für den Nachwuchs. Die Mutter schickt den Vater los, der pflichtschuldig Getränke holt. Für sich, seine Frau und ein Glas (0,3) mit Sprite für das durstige Kind. Der kleine Bruder futtert derweil ganz entspannt weiter sein Eis. Das „durstige Kind“ trinkt zwei Schlucke. „Mamaaa, ich mag mein Eis nicht mehr.“ Mama Helikopter zeigt ihrem Kind den Mülleimer neben dem Würstchenstand. Der kleine Scheißer wandert zielstrebig los und versenkt sein wundervolles, erst halb gegessenes Eis im Müll. Parallel dazu geht mein Mann, langhaarig, bärtig und mit Rockerkutte gerade zur Würstchenverkäuferin, um ihr zu sagen, wie gut ihm die Currywurst geschmeckt hat. „Mama, nimmt der Mann da jetzt mein Eis aus dem Müll und isst es?“ Fingerzeig auf meinen Gatten. Die Mutter schielt verstohlen zu mir herüber und verneint dann. Ganz wohl scheint sie sich nicht zu fühlen. Jetzt will auch noch der kleine Bruer sein Eis wegwerfen. Schließlich hat der Große ja auch… Voll zum kotzen sowas.

Etwas Wind kommt auf, den alle (ok, FAST alle) umstehenden genüsslich aufnehmen. Schließlich sind es weit über 20 Grad und eine leichte Brise ist da ganz angenehm. Mama Helikopter zieht beiden Kindern ein schlauchartiges Halstuch über den Kopf, so dass nur noch die Gesichter rausschauen. „Ihr werdet sonst noch krank. Eure Ohren…es zieht…“ Die Kinder schauen aus wie zu einer Polarexpedition, während ihre Altersgenossen daneben im T-Shirt rumlaufen.

Als mein Man zurückkommt bitte ich ihn, dass wir gehen. Ich hab eh aufgegessen, er auch und wenn ich mich jetzt nicht sofort verziehe, dann vergesse ich mich und sage diesen dummen, gedankenlosen, verschwendungsgeilen Blödhampeln, dass sie ihre Kinder gerade zu den absoluten Arschlöchern verziehen. In mir kocht es. Und wie! Wieviele Besucher habe ich heute gesehen, denen man ansah, dass sie jeden Cent umdrehen müssen? Wieviele Kinder bekamen heute kein Eis, weil es im schmalen Budget einfach nicht drin war? Und diese aufgebrezelten Konsumgeilen lassen sich von ihrem Kind vorführen und manipulieren, und werfen dabei noch Essen weg? Als wir gehen steht das angetrunkene Glas Sprite immer noch auf dem Tisch. „Papa, warum packen die alle zusammen. Wir wollen uns doch den Markt ansehen. Papaaaa……“ Irgendwie werde ich gerade richtig sauer. Nix wie weg, sonst sage ich noch Sachen, die mir hinterer NICHT leid tun werden.

Ich wünsche dieser Familie nichts Schlechtes. Ich hoffe nur, dass sie niemals erfahren müssen, wie weh eine leere Geldbörse, ein leerer Kühlschrank, eine dunkle und kalte Wohnung tun. Ich hoffe sie müssen niemals Essen aus dem Müll holen oder Pfandflaschen sammeln. Oder ihren Kindern erklären, warum es nicht mit auf Klassenfahrt geht, es keine Geschenke zum Geburtstag oder zu Weihnachten gibt. Leider ist dies für viele Menschen auch in unserem Land heute schon traurige Realität. Und gerade daher macht mich das Verhalten der Eltern so verdammt wütend. Die Gedankenlosigkeit, mit der hier Lebensmittel gekauft und dann entsorgt werden, lässt meine Magensäure steigen. Und alles nur, weil der kleine Prinz da plärrt und was will? Ich wäre gern dabei, wenn die Kinder größer werden und damit ihre Forderungen. „Mamaaaa, ich will ein Iphone….Papaaaa ich will…..“Ob die Eltern ihren Kindern mit dieser Erziehung einen Gefallen tun? Ich bezweifle es.